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Wie wird behandelt

Manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule

Bei der Manualtherapie von (Klein-)Kindern werden Behandlungsmethoden verwandt, die nicht mit dem landläufig bekannten "Einrenken" vergleichbar sind. Es handelt sich um sanfte Impulstechniken, wobei weder Verdrehungen des Halses noch starke Schübe erfolgen.

Unter den gebräuchlichsten Methoden ist die Atlastherapie nach Arlen und eine andere die Therapietechnik nach Dr. Gutmann/ Biedermann.
Die Techniken variieren und die Ergebnisse sind vor allem vom Handling des einzelnen Arztes abhängig, weniger davon, welche Diplome er/sie vorweisen kann.

  1. Die Atlastherapie nach Arlen bezieht nur den Atlas ein und wirkt auch nur in eine Behandlungsrichtung. Sie wird oft mehrmals angewendet.

  2. Die durch Dr. Biedermann modifizierte Behandlung nach Dr. Gutmann bezieht die gesamten Kopfgelenke zwischen der Schädelbasis und C3 ein und der Impuls wird dreidimensional gesetzt, d.h. berücksichtigt werden links/rechts, vorne/hinten und die Richtung der eventuellen Drehfehler der beteiligten Wirbel. Somit können all diese Abweichungen erreicht und beeinflusst werden.

Diese Technik wird bei Erwachsenen <HIO> genannt;
HIO kommt aus dem Golfen und bedeutet "hole in one", also mit einem Schlag einlochen oder mit einem Impuls die ganze Geschichte richten.
Bei Erwachsenen wird hierbei der Patient ganz anders gelagert und behandelt als bei Kindern, somit ist nicht die Ausführung vergleichbar, sondern vor allem die sorgfältige Vorbereitung und mehrdimensionale Analyse der Störung (Diagnose: Anamnese, manuelle Untersuchung, Röntgenbild, Analyse).

Zur Technik: Seitlich am oberen Hals direkt unter dem Hinterkopf wird mit maßvollem Impulsdruck gearbeitet.

Direkt nach der Behandlung kann man feststellen, das die Beweglichkeit des Halsen und Kopfes verbessert sind. Das ist objektivierbar. Darüber hinaus werden verschiedene Reflexe ausgelöst, die von hier aus die Motorik und die allgemeine Steuerung (z.B. Schlaf/ Wachrhythmus) beeinflussen.

Als Reaktion bemerkt man oft eine unmittelbare Verbesserung des Gleichgewichts und eine relativ schnelle Entspannung der Haltemuskulatur. Man nimmt an, dass durch diesen Impuls, die im Nacken sehr zahlreichen und für die Haltung wichtigen Messfühlersysteme angeregt werden. Eine Neuregelung des Körpers wird dadurch ermöglicht.

Die Behandlung ist weitgehend schmerzfrei, aber schon bei der Untersuchung selber sind die Babies natürlich häufig nicht ganz glücklich, so dass ein Protest die Regel ist. Dass es sich hierbei nicht um große Schmerzen handeln kann, merkt man daran, dass sich die Kinder fast immer sofort wieder beruhigen, wenn sie der Mutter/ dem Vater zurück auf den Arm gegeben werden.

Es kommt bei diesen Behandlungsansätzen - im Gegensatz zum "Einrenken" nach alter Technik - nicht zu wesentlichen Bewegungen der behandelten Wirbel.
Somit ist diese Behandlungsweise bei korrekter Ausführung praktisch gefahrlos und kann auch bei Säuglingen ohne Bedenken durchgeführt werden. Da sie eine deutliche Wirkung auf die Wahrnehmung und Steuerung hat, sollte aber nicht zu häufig behandelt werden.

Bei Säuglingen ist meist nur eine einzige Behandlung nötig.
Laut Dr. Biedermann müssen maximal 15% der Säuglinge im ersten Jahr nochmals behandelt werden. Um der Reaktion des Körpers nach der Therapie Zeit zur Wirkung zu lassen, sollte man 2-3 Wochen nach der Manualtherapie sonstige ‚stimulierende' Behandlungen oder Untersuchungen möglichst vermeiden,
z.B. Impfungen, intensivere Diagnostik, Osteopathie, aber auch keine krankengymnastische Behandlung.
Diese Reaktionszeit kann unterschiedlich lange dauern und ist auch unter Umständen abhängig vom Befund und auch vom Alter des Patienten.
Nach dieser Zeit des Abwartens kann die Physiotherapie neu bewertet und ggf. dem erreichten Entwicklungsfortschritt angepasst werden.

Eine Routinekontrolle im Alter von drei Jahren sei ratsam, ebenso nochmals vor der Einschulung. So können motorische und Wahrnehmungsschwächen herausgefiltert werden, die in der normalen kinderärztlichen Vorsorge nicht selten übersehen zu werden drohen.

Bei kurzen Rückfällen oder Verschlechterungen - z.B. im Rahmen einer Infektion oder eines Wachstumsschubes - braucht man aber nicht jedes Mal neu manualmedizinisch nachsehen lassen. Es kann sein, dass die Kinder in alte Muster eben für diese kurze Zeit zurückfallen.

Ist die Beweglichkeit einmal frei, kommt der Körper des Kleinkindes mit kleineren Belastungen meist ganz gut zurecht. Nach größeren Stürzen oder Vollnarkosen kann eine Kontrolle sinnvoll sein, wenn die Auffälligkeiten länger als 1-2 Wochen anhalten.
Bei Babies, in deren Verwandtschaft Wirbelsäulenprobleme wie Skoliose oder andere Fehlhaltungen bekannt sind, sollte eine regelmäßige Überwachung gewährleistet sein. Dies kann man meist in Verbindung mit Krankengymnastik und Kinderarzt so organisieren, dass eine Vorstellung beim Spezialisten 1-2 mal im Jahr ausreicht.

Insgesamt ersetzt die manuelle Therapie nicht andere Verfahren, sondern schafft erst die Grundlage, auf der dann Ergotherapie, Krankengymnastik, INPP oder Psychomotorik effizient eingesetzt werden können.
Manuelle Therapie optimiert die Biomechanik (Gelenkfunktion, Muskelfunktion) und die zentrale Steuerung.

Manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule für Erwachsene

Ältere Kinder und Erwachsene zu therapieren ist zeitaufwendiger, weil die Wirbel in ihrer Fehlstellung meist fixiert sind und sich nicht mehr so einfach behandeln lassen.
Auch hier sollte man mit der Häufigkeit der Behandlung sehr zurückhaltend sein, denn auch hier gilt, dass die Reaktion des Gesamtorganismus auf die Verbesserung der Halsbeweglicheit Zeit braucht und abgewartet werden sollte. Tägliche Behandlungen sind deshalb auch von den meisten Atlastherapeuten verlassen worden. Je nach Befund können die Behandlungsabstände mehrere Wochen bis Monate betragen.

Begleitend zur Normalisierung der Funktion der Kopfgelenke und des Übergangs Lendenwirbelsäule / Becken werden auch die anderen Störungen an den sonstigen Wirbelsäulen-Abschnitten untersucht und gegebenenfalls beseitigt. Dabei kommen viele verschiedene Behandlungsansätze in Frage, z.B. osteopathische Therapieformen, insbesondere "Weichteiltechniken" wie "myofascial release" oder "muscle energy technic".

Manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule hilft bei:

  • HWS-Beschwerden
  • HWS-Schleudertrauma
  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewegungsstörungen (Spastik, Parkinson)
  • Chronischen Rückenschmerzen
  • Bandscheibenvorfall
  • Ohrgeräusche (Tinitus)

Mit einer routinemäßigen Untersuchung der Halswirbel von Babies (wie fürs Hüftgelenk üblich) könnte man sehr vielen Menschen ein guten Teil ihrer Kopf- und Rückenschmerzen im späteren Leben, aber auch weitergehende Probleme wie Verhaltensauffälligkeiten etc. ersparen.

Aufgrund des Zeitaufwandes für Untersuchung und Behandlung arbeiten viele Ärzte, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben, nur noch privat. Ob und wie viel die gesetzlichen Kassen von dieser Behandlung übernehmen ist Kulanz- und Verhandlungsfrage.

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