Behandlungsverlauf
Hier
ein Bericht über Jonas:
Jonas,
geb. März 1997
Die Schwangerschaft mit Jonas verlief absolut unproblematisch.
Auffällig war nur, dass Jonas sich erst gar nicht in Schädellage
begeben wollte und nachdem er mit dem Kopf nach unten lag, sich ziemlich schnell
wieder in Beckenendlage oder Querlage drehte.
Es war ein ewiges Hin und
Her. Am errechneten Termin lag Jonas richtig, am nächsten Tag wieder in Querlage,
was für uns dann endgültig das Signal zum Kaiserschnitt war.
Ich
war ein paar Wochen zuvor auf Glatteis ausgerutscht und bring das im Nachhinein
damit in Verbindung.
Das Stillen war schon im Krankenhaus eine Katastrophe!
Es ging nur mit Stillhütchen einigermaßen und dauerte pro Brust mindestens
eine halbe Stunde.
Nach 3 Wochen habe ich entnervt abgestillt.
Jonas
war in den ersten 5 Wochen relativ unruhig, aber kein sogenanntes Schreikind.
Am liebsten lag er auf der linken Seite, überstreckt war er nicht.
Die motorischen Probleme fielen sehr schnell auf.
In der Krabbelgruppe
lag er wie ein Käfer auf dem Rücken und guckte sich interessiert seine
kleine Welt an, während seine „Freundinnen“ wirklich über ihn drüber
krabbelten….er lag eben einfach im Weg.
Zum Einschlafen schlug Jonas heftig
mit dem Kopf von rechts nach links, immer wieder und so lange, bis er eingeschlafen
war.
Auch hatte er einen unglaublichen Speichelfluss. Er war eigentlich
immer nass auf der Brust.
Jonas ist immer extrem ängstlich und geräuschempfindlich
gewesen.
Er fing an zu weinen, wenn ein Kind neben ihm nur laut quiekte.
Mit ihm zum Friseur zu gehen war der Horror schlechthin. Schlimmer als
Besuche beim Kinderarzt.
Er hatte von Geburt an viele dunkle Haare, die
ihm nicht ausfielen, sondern lockiger wurden und immer länger. Deshalb war
er zum ersten Mal mit 8 Monaten beim Friseur.
Wahrscheinlich war er so
tastemfindlich im Nacken, dass er einfach Schmerzen hatte.
Gekrabbelt ist
Jonas erst als er auch laufen konnte, vorher hat er sich durch robben und rollen
fortbewegt. Laufen konnte er mit 15 Monaten.
Im Kindergarten hat er sich
sehr wohl gefühlt, fiel aber sofort durch seine Angst auf.
Er hatte
Angst zum Turnen zu gehen, Angst vor Kerzen in der Kindergartenadventszeit, Angst
auf das Klettergerüst zu gehen usw.
Die Erzieherinnen machten mich
auf seine Kopfschiefhaltung und seinen „komischen“ Gang aufmerksam.
Daraufhin
machte ich einen Termin beim Kinderarzt, der nach einer kurzen Untersuchung nichts
feststellen konnte.
Auch erwähnte ich, dass Jonas zum einschlafen
zum dem Kopf schlägt, aber das war seiner Meinung nach eine Art Einschlafritual.
Mit 3 Jahren wollte Jonas einen roten Roller zu Weihnachten haben. Er war
überglücklich als er ihn sah, fuhr 2m, stieg ab und sagte „ ich kann
nicht mehr, mein Bein tut weh“. Ich hielt ihn für bewegungsfaul und wurde
zunehmend wütend….ich weiß nicht wie oft ich mich dafür schon
entschuldigt habe.
Mit 4 Jahren lernte er Fahrrad fahren, es machte ihm
Spaß, aber er hatte bis zu seinem 8. Lebensjahr Angst Hügel runter
zu fahren.
Bei einer Fahrradtour schob er mal wieder einen Berg runter
und zwei Jungs in seinem Alter lachten sich kaputt.
Es war offensichtlich,
dass er Entfernungen und Höhen nicht einschätzen konnte.
Im Schwimmverein
war Jonas 2,5 Jahre…ohne Erfolg. Die Kinder um ihn herum wurden immer kleiner
und er hatte noch immer kein Seepferdchen.
Am Ende der Kindergartenzeit
wurde ich zum ersten Mal auf seine Konzentrationsprobleme aufmerksam gemacht.
Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, schließlich war Jonas schon
immer extrem wissbegierig und an allem interessiert.
Er konnte sich auch
stundenlang allein mit seinen Playmobilpüppchen oder Lego´s beschäftigen.
Ich fand ihn schon ziemlich pfiffig.
In der Schule brach dann endgültig
seine kleine Welt zusammen.
Die Konzentration war gleich null und seine
extrem engagierte Lehrerin sagte, dass es ihr ein Rätsel sei, in welchen
Momenten er den Stoff eigentlich aufnimmt, denn er wäre immer irgendwie abwesend.
Wir ließen einen Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest beim Kinderarzt
machen, der sehr schlecht ausfiel und machten 1,5 Jahre Ergotherapie. Die Diagnose
hieß ADS ohne Hyperaktivität.
Jonas wurde immer unglücklicher,
hielt sich selbst für dumm und hatte durch die ewig langen Hausaufgaben kaum
noch Zeit für sich.
Zur Schule ging er morgens wie ein „geprügelter
Hund“ und daraufhin gaben wir dem drängen des Kinderarztes nach und ließen
ihn mit Ritalin einstellen.
Für ungefähr ein dreiviertel Jahr
schien das Medikament ihm wirklich zu helfen, doch dann wurde es wieder schlechter.
Vor allem aber auch seine Motorik wurde immer auffälliger.
Wir
wollten eine zweite Meinung zur ADS Diagnose einholen und gingen zu einem Kinder-
und Jugendpsychiater, der Jonas von einer sehr erfahrenen Ergotherapeutin in mehreren
Bereichen testen lies.
Vom Ergebnis war auch diese Dame leicht schockiert.
Sie sagte aber, dass Jonas in ihren Augen kein ADS Kind sei, die kenne sie zu
Genüge, wir sollten mal im Internet unter dem Begriff Schiefhals gucken,
sie denke, dass seine Probleme daher kommen.
An diesem Abend wurden mir
die letzten Jahre immer klarer und ich verstand endlich was los war. Ein unglaublich
riesiges Puzzle setzte sich praktisch wie von selbst zusammen und ich stellte
meine eigene Diagnose: KIDD !

1.
April 06 vor der Behandlung
Fast schon euphorisch machte ich im April
2006 einen Termin bei Dr. Sacher in Dortmund:
Das Erste was Dr. Sacher
zu Jonas sagte war „ mein Gott Junge, bist Du schief! Wo warst Du denn all die
Jahre??“
Er stellte fest, dass der Halsmuskel an der rechten Seite durch
die jahrelange Schiefhaltung schon völlig degeneriert war und wie ein Dornröschenschloss
von Bindegewebe umwuchert.
Dr. Sacher sah Jonas besorgt an und sagte „
Mensch Jonas vor ein paar Jahren hätte ich Dir noch helfen können, aber
jetzt???“
Er löste seine vorhandenen Blockaden (die drei Osteopathen
vorher nicht gefunden hatten!!!!) und sagte, dass wir einen Termin in einer Kinderchirurgie
machen sollen und der Muskel operiert werden muss, damit eine Behandlung durch
ihn überhaupt Sinn macht.
Im Herbst 2006 wurde Jonas in den Städtischen
Kinderkliniken in Dortmund operiert.
Danach wurde er noch 2x durch Dr.
Sacher behandelt.
Jetzt ist er blockadefrei, hat aber nach wie vor Konzentrationsprobleme
und bewegt sich immer noch merkwürdig.

14.6.07
nach der Behandlung
Schwimmen kann er seit der 2. Behandlung, das
Kopfschlagen hat kurz nach der 2. Behandlung aufgehört und er ist deutlich
mutiger und selbstbewusster geworden.
Früher war es für ihn grausam
zu malen oder zu schreiben und heute ist malen eine seiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen.

9.8.07
Seit
diesem Sommer besucht er die Gesamtschule.
Bei Jonas persistieren wahrscheinlich
noch einige frühkindliche Reflexe, die ihn in seinem Konzentrationsvermögen
und beim Bewegen behindern, aber wir werden in der nächsten Zeit mit INPP
beginnen.
Nach der Operation bekam Jonas lange Krankengymnastik.
Der
Kinderarzt, den wir eigentlich sehr schätzen, hat sich persönlich bei
Jonas entschuldigt, „dass es für ihn so unglücklich gelaufen ist“.
Er
ist wieder ein glücklicher, kleiner Kerl und freut sich drauf „irgendwann
mal genau so normal zu sein“ wie seine Freunde!
Birgitta