Behandlungsverlauf
Hier
ein Bericht über Marcel (9 Jahre):
Hallo,
ich lese nun schon seit einigen Wochen das Forum und diese Seiten hier.
Zu
unserer Kiss-Geschichte folgendes: Mein Sohn ist 1995 geboren und bei der U 3
wurde durch unseren damaligen Kinderarzt der Verdacht auf Kiss-Syndrom gestellt.
Er empfahl mir einen Termin bei Dr. Biedermann in Dortmund.
Ich habe mir einen
Termin geholt und anschließend versucht Informationen über das mir
völlig unbekannte Syndrom zu bekommen. Internet hatten wir 1995 leider noch
nicht. Alle möglichen Ärzte, Freunde, sonstige Bekannten und Verwandten
rieten mir ja nichts an der Wirbelsäule des Babys machen zu lassen...und
röntgen ist ganz gefährlich, natürlich bekam ich es mit der Angst
zu tun, hatte während dieser Zeit dann noch einen Termin bei unserem Arzt,
der dann selbst sagte er glaubt jetzt doch auch nicht mehr, daß unser Sohn
vom Kiss-Syndrom betroffen ist. Fröhlich und glücklich einen gesunden
Sohn zu haben, ging ich nach Hause und sagte den Termin bei Dr. Biedermann ab.
Unser Sohn entwickelte sich gut, abgesehen von den Einschlafstörungen, schlief
er schnell durch.
Sprachlich war er immer sehr weit, hatte einen großen
Wortschatz und eine gute, deutliche Aussprache.Er zog sich recht früh hoch
(mit 6 Mon.), war in dieser Zeit sehr unzufrieden, aber welches Baby ist schon
immer zufrieden?
Motorisch war er immer recht schwerfällig aber nicht
bewegungsfaul.Mit Legos oder Bausteinen spielte er nicht gerne.
Der neue Kinderarzt
(durch Umzug bedingt) meinte das wächst sich schon aus.
Im Kindergarten
spielte er nur Fußball aber malte nie gerne Bilder, auch basteln fand er
blöd....aber auch hier sagte man mir das wäre normal und würde
sich schon geben. Mit Messer und Gabel stellt er sich auch sehr ungeschickt an.
Uns fiel immer wieder auf, daß unser Sohn im Vergleich zu anderen Kindern
unrund lief, auch sein kleinerer Bruder macht ihm da was vor. Er nimmt die Arme
nicht selbstständig mit und läuft sehr schwerfällig und vornübergebeugt.Als
wir den Arzt nochmals darauf ansprachen, erhielten wir die Antwort: er habe einen
zu langen Oberkörper und dafür zu kurze Beine und dies würde sich
auswachsen außerdem verschrieb er Knickfussstützen.
Die Schuluntersuchung
war im großen und ganzen o.k., außer das visuell motorische Defizite
festgestellt wurden, auf die die Schule achten sollte.( was natürlich keinen
interessiert hat.)Er tat sich also in der Schule schwer beim Malen, Basteln und
beim Schreiben. Das Schriftbild ist nicht gut und er hat Probleme beim Abschreiben
(Konzentration), dafür kann er gut rechnen und auch ordentlich lesen.
Bei einem Fussballspiel wo wir mal wieder dieses schwerfällige Laufen sahen
und auch andere uns ansprachen ob unser Sohn verletzt wäre, kam mir die Idee,
ob es nicht doch Kiss sein könnte... Wieder zu Hause hab ich den Computer
gestartet und bin auf dieser Seite gelandet. Habe dann nahezu alle Seiten und
Informationen hierzu verschlungen. Daraufhin habe ich unseren Nachbarn der Orthopäde
ist angesprochen und dieser sagte mir, eigentlich würde er es nicht unbedingt
glauben, daß Marcel davon betroffen ist, aber er kennt sich hier zu wenig
aus und würde uns Dr. Biedermann oder seinen Kollegen empfehlen, die wirkliche
Kapazitäten auf diesem Gebiet seien.
Daraufhin machten wir einen Termin
bei Dr. Sacher für den 28.10.2003.
Dr. Sacher stellte natürlich
Kiss-Syndrom bei unserem Sohn fest und sagte mir auch, daß die Vermutung
unseres damaligen Kinderarztes richtig war und er deutlich sehen könne, daß
dies auch schon im Babyalter entstanden ist.
Natürlich mache ich mir
ein paar Vorwürfe, daß ich damals den Termin abgesagt habe, aber es
gab halt keine Infos und ich hatte wirklich Angst...
Im Nachhinein bin ich
aber dem damaligen Kinderarzt trotzdem dankbar, denn sonst wäre ich bis heute
sicherlich nicht auf Kiss-Syndrom gestossen. Außerdem möchte ich mich
für diese guten und informativen Seiten bedanken, ohne die ich weiterhin
nach Ursachen gesucht hätte und mir wahrscheinlich noch weitere 5 Jahre angehört
hätte:"das wächst sich aus" und bin gerne bereit meine Erfahrungen
hier einzubringen und andere vor solchen Odysseen zu bewahren.
Ach ja, im
übrigen war Dr. Sacher ganz toll, hat auch gesagt besser spät als nie
und hat meinem Sohn Schrägpulte dringend empfohlen, die wir schon besorgt
haben.
Mein Sohn sagt, er können den Kopf jetzt weiter nach hinten drehen
und meint er wäre jetzt schneller geworden und würde gerne laufen.
Mehr kann ich jetzt hierzu noch nicht sagen, da wir ja auch erst am Dienstag bei
Dr. Sacher waren und er 2 Wochen kein Fußball spielen darf.
Im übrigen
kann ich noch erwähnen, daß ich bei der Geburt eine sehr schwere Austreibungsphase
hatte, und mein Sohn festgesteckt hat, sodaß mit Drücken auf den Bauch
nachgeholfen wurde und es sehr lange gedauert hat.
Wenn Du meinen Bericht
interessant findest kannst Du Ihn gerne der Allgemeinheit zur Verfügung stellen,
sei es im Forum oder unter Behandlungsverläufe. Ich bin gerne bereit die
weiteren Ergebnisse zu schildern, da wir am 07.01. zur Kontrolluntersuchung müssen.
In
den vergangenen 8 Wochen haben wir unseren Sohn natürlich mit Argusaugen
beobachtet und folgendes selbst festgestellt: Marcel sagte ja bereits, daß
er den Kopf viel weiter nach hinten drehen kann. Außerdem hat sich sein
Schriftbild etwas verbessert. Die Grobmotorik hat sich leider noch nicht sehr
verbessert. Er läuft immer noch sehr schwerfällig.
Dr. Sacher war
aber auch mit der Grobmotorik: sprich Einbeinstand und Einbeinhüpfen schon
sehr zufrieden. Er meint auch, daß man etwas Geduld haben muß, da
es ja nun schon sehr lange so falsch drin ist, daß der Körper erst
lernen muß seine neue Bewegungsfreiheit umzusetzen. Marcel ist noch nicht
hundertprozentig gerade und er hat ihn heute nochmal eingehend untersucht und
noch leichtere Blockaden festgestellt und behandelt, danach war er sofort richtig
schön gerade und deshalb hat Dr.Sacher die Hoffnung, ihn noch ganz gerade
hinzubekommen. Er hat uns jetzt empfohlen nach den erneuten 2 Wochen Pause außer
Fußball noch eine Sportart, die das Gleichgewicht trainiert auszuüben.
Desweiteren sollen wir mal beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden den Biß
kontrollieren lassen, weil auch dies Ursachen für Schiefstellungen sein könnten.
In einem Jahr sollen wir wieder zur Kontrolle kommen, dann möchte er eine
Röntgenaufnahme von Hüfte/Becken machen, um zu sehen wie schief er dort
ist und evtl. unterschiedliche Beinlängen ausschließen. Das möchte
er jetzt noch nicht machen, da er noch sehr jung für so eine Aufnahme ist.
Wir sind jetzt sehr guter Dinge noch einige weitere Verbesserungen erzielen zu
können und es hat sich auf jeden Fall jetzt schon gelohnt zu Dr. Sacher zu
gehen.
Ich berichte dann in einem Jahr weiter...
Mit
lieben Grüßen
Heike