Vortrag
Dr. med. Robby Sacher
15.
AFS-Stillkongress in Köln, 28. April 2002
(Vortragsmitschrift
von Barbara Bredner)
KISS-Kinder und KIDD-Jugendliche:
Im
ersten Teil des Vortrags beschreibt Robby Sacher die Säuglingsproblematik
beim KISS-Syndrom. Anschließend folgen Ausführungen zu Symptomen und
Problematik des KISS-Syndroms bei älteren Kindern und Jugendlichen.
1.
Säuglingsproblematik
KISS ist die Abkürzung für Kopfgelenks-Induzierte
Symmetrie Störung. Ein Symptom, das immer durch KISS hervorgerufen wird,
ist die fixierte asymmetrische Haltung des Kindes, die C-Haltung genannt wird.
KISS ist eine Funktionsstörung in der Biomechanik der oberen Halswirbelsäule.
Beim
KISS-Syndrom werden zwei Formen unterschieden: Der Typ I und der Typ II. Selten
hat ein Kind ausschließlich ein KISS-Syndrom Typ I oder Typ II. Der Regelbefund
ist eine Kombination der beiden Formen.
Das
Wort KISS ist zwar eine Erfindung von Dr. Biedermann, die Symptome und Probleme
hat er allerdings nicht erfunden. Andere Worte für das KISS-Syndrom sind
z.B. muskulärer Schiefhals, physiologische Säuglingsskoliose, Atlasfunktionsstörung
oder Atlasblockade.
KISS-Syndrom:
Typ I
Beim
KISS-Syndrom Typ I hat das Baby eine rechts- oder linkskonvexe fixierte C-Haltung,
auch Bananenhaltung genannt. Diese Haltung ist eine Zwangshaltung und vom Kind
nicht oder nur unter sehr großen Anstrengungen änderbar.
Typische
Symptome sind beim Typ I eine Kopf- und Gesichtsasymmetrie bzw. Mikrosomie, d.h.
eine Gesichtshälfte ist deutlich kleiner als sie andere. Dieses Symptom lässt
sich häufig sehr deutlich am Aussehen der Augen feststellen. Häufig
ist auch eine einseitige Bindehautreizung oder -entzündung zu beobachten.
Durch die fixierte asymmetrische Haltung des Kopfes gibt es oft einseitige kahle
Stellen am Kopf. Andere typische Probleme bei KISS Typ I Kindern sind einseitige
Stillprobleme, Schlafprobleme und so genannte 3-Monats-Koliken.
Motorische
Schwierigkeiten können unter anderem einseitige Entwicklungsverzögerungen
(z.B. eine einseitige Faustungstendenz), einseitige Hüftreifungsprobleme,
die oft so stark sind, dass eine Spreizhose angepasst wird, und ein erhöhter
Muskeltonus.
Das
Mittel der Wahl zur Behandlung dieser Symptome ist eine gezielte Manipulation
der Wirbelsäule.
Auch
wenn ein Baby frühzeitig behandelt wird, kann es bis zu 5 Jahren dauern,
bis sich die Schädelverformung zurückgebildet hat. Diese Verformung
ist allerdings ein kosmetisches Problem, kein medizinisches.
KISS-Syndrom:
Typ II
Kennzeichnend
für das KISS Typ II Syndrom ist eine Überstreckung nach hinten, d.h.
die fixierte C-Haltung führt zu einer vermehrten Rückbeugung. Bei KISS
Typ II gibt es vermutlich eine genetische Komponente. Oft werden ähnliche
Befunde bei gleichgeschlechtlichen Geschwisterkindern festgestellt.
Typische
Symptome für ein KISS-Syndrom Typ II sind eine Hinterhauptsabplattung mit
einem asymmetrischen kahlen Fleck an der hinteren Mitte des Kopfes. Das Baby liegt
immer wie ein Flitzebogen und sucht im Bett den Kontakt.
Motorische
Probleme treten beim KISS Typ II in der Sagitalebene (Vorne-Hinten-Ebene) auf.
Sehr häufig zeigen Babys mit einem KISS-Syndrom Typ II eine Bauchlagenintoleranz
und haben dann Schwierigkeiten, in den Handtellerstütz zu kommen. Da sich
die Vertikalisierung (vom Unterarmstütz zum Handtellerstütz zum schwimmen
zum robben zum Bärenstand zum Krabbeln zum Sitzen zum Laufen) über die
Bauchlage erfolgt, versuchen die Kinder diese für sie nicht oder nur eingeschränkt
mögliche Entwicklung durch das Rutschen auf dem Po zu kompensieren. Dieses
Po-Rutschen ist ein Ergebnis einer Vertikalisierung über die Rückenlage.
Po-Rutschen ist nicht physiologisch!
In
der physiologischen Entwicklung hat das Krabbeln einen hohen Stellenwert, unter
anderem für die Rechts-Links-Koordination. Das Zeitfenster für das Krabbeln
liegt zwischen dem 9./10. Lebensmonat bis ungefähr zum 16. Lebensmonat. Durch
die fehlenden, seltenen oder sehr späten Krabbel-Erfahrungen können
KISS Typ II Kinder Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen bis hin zur
Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie oder Dyskalkulie entwickeln.
Weiter
typische Symptome von KISS II Kindern ist Sabbern, ein fehlender Mundschluss und
manchmal ein Reflux. Diese Probleme entstehen wahrscheinlich aus einem leicht
verminderten Muskeltonus, wie ihn Typ II Kinder häufig aufweisen. Im Säuglingsalter
haben diese Kinder Schwierigkeiten beim Saugen. Der Saugreflex ist schwach oder
kann ganz fehlen. Durch den zu lockeren oberen muskulären Verschluss des
Magens sind Kinder mit KISS-Syndrom Typ II häufig Speikinder. Ebenfalls möglich
ist eine Gedeihstörung durch die Störung des Schluckapparates. Darüber
hinaus zeigen Babys mit KISS-Syndrom Typ II oft eine vermehrte Schreisymptomatik,
die häufig mit 3-Monats-Koliken bezeichnet wird.
Sehr
häufig findet sich beim KISS-Kind Typ II ein persistierender Moro-Reflex,
d.h. das Baby zeigt auch nach dem 3. Lebensmonat eine Schreckreaktion, bei der
es die Arme und den Kopf ruckartig nach hinten zieht. Dies führt dann oft
dazu, dass diese Kinder, wenn sie später fallen, sich nicht nach vorne abstützen
können sondern die Arme zurücknehmen und oft aufgeschürfte Knie
und Gesichstverletzungen haben.
Wenn
ein Kind mit 3 Monaten nicht in der Lage ist, in Bauchlage in den Unterarmstütz
zu kommen, sollte es auf jeden Fall auf Funktionsstörungen der oberen Halswirbelsäule
untersucht werden.
Zu
frühes Sitzen
Babys,
die noch nicht aus eigener Kraft sitzen können und die hingesetzt werden,
erfahren drei Arten der Fehlbeanspruchung: Erstens ist die vertikale Belastung
zu groß. Die Muskeln sind noch nicht stark genug, um die Wirbelsäule
aufrecht zu halten. Das Gewicht des Kindes drückt auf die Wirbel und die
Bandscheiben. Zweitens führt das zu frühe Hinsetzen dazu, dass das Kind
Gleichgewichtsreaktionen erfährt, für die es noch nicht reif genug ist.
Das Baby hat keinen Halt mehr nach vorne, zur Seite und nach hinten und muss sich
selbst ausbalancieren. Die dritte Fehlbeanspruchung resultiert aus der physiologischen
Entwicklung der Wirbelsäulenform. Ein Baby kommt mit einem (physiologischen)
Rundrücken zur Welt. Im Laufe des ersten Lebensjahres wird aus diesem Rundrücken
langsam eine Doppel-S-Form. Anfangs haben die Wirbel eine Keilform, die zu einem
Rundrücken führt. Erst im Laufe der Entwicklung wachsen die Wirbel in
ihre spätere Form. Sitzt ein Kind zu früh (d.h. ohne selbständig
ins Sitzen und aus dem Sitzen zu kommen), kann die Wirbelsäule noch keine
Doppel-S-Form bilden.
Babys
sind Traglinge und keine Lieglinge. Über das Tragen bekommen die Kindern
Gleichgewichtsinformationen über die vertikale Lage. Robby Sacher hält
das Tragen vor dem Bauch für wenig sinnvoll, da die Kinder dann einen Sichtabstand
von 10 cm hätten.
Risikofaktoren
für das KISS-Syndrom
Als
Risikofaktoren für KISS nennt Robby Sacher eine Schieflage in der Gebärmutter
(z.B. bei einer Beckenendlage oder Querlage), Mehrlingsschwangerschaften, Extraktionshilfen
(Vakuum-Extraktion bzw. Saugglocke, Zangengeburten, den kristellerischen Handgriff
und Kaiserschnitt), sowie Uterus-Myome und alles andere, was dem Kind Platz in
der Gebärmutter weg nimmt.
Ein
Kaiserschnitt ist für das Kind deshalb risikoreich, weil die Entwicklung
des Kindes über einen 15 bis 17 cm langen Schnitt in der Gebärmutter
erfolgt. Dieser Schnitt führt zu einer knapp Handteller großen Gebäröffnung,
die somit wesentlich kleiner ist als der Muttermund.
Die
Hoffnung, dass die Babys gesünder sind, wenn sie per Kaiserschnitt das Licht
der Welt erblicken, hat sich als trügerisch herausgestellt. Die Morbiditätsrate
ist bei spontan geborenen Kindern nur halb so groß. Kaiserschnitt-Kinder
haben öfter Hirnschäden und Halswirbelsäulen-Probleme. In Studien
wurde nachgewiesen, dass Kaiserschnittraten über 7% zu hoch sind, um die
Gesundheit der Kinder mehr zu fördern.
Wenn
ein Kind bereits in der intrauterinen Entwicklung ein Trauma in der oberen Halswirbelsäule
erlitten hat, ist die Asymmetrie bereits direkt nach der Geburt sichtbar. Wurde
die Halswirbelsäule unter der Geburt zu stark beansprucht, braucht die Asymmetrie
einige Tage bis zu 2 bis 3 Monaten, bis sie sich entwickelt hat.
Der
Hauptrisikofaktor unter der Geburt ist der kristellerische Handgriff, bei dem
das Kind durch Druck auf die Bauchdecke der Frau von oben durch den Geburtskanal
geschoben wird. Dieser Druck ist vergleichbar mit dem Druck beim Öffnen einer
Sektflasche, die vorher gut durchgeschüttelt wurde.
Weitere
Risikofaktor sind ein erhöhtes Geburtsgewicht (> 4000g), eine Geburt vor
der 38. Schwangerschaftswoche, jede Art von Zug am Kopf unter der Geburt, eine
zu massive Schulterentwicklung sowie jeder Zug und jede Abknickung der Halswirbelsäule.
Dies sind die gleichen Risikofaktoren wie für eine Halswirbelsäulen-Fraktur.
Die
meisten KISS-Syndrome entstehen unter der Geburt. In einigen Fällen ist auch
ein postnatales Trauma der Auslöser für eine Funktionsstörung in
den Kopfgelenken. Zu den Risikofaktoren zählen Intubation, Operationen in
den ersten Lebenswochen und andere Traumata in den ersten Lebensmonaten.
Diagnostik
und Behandlung des KISS-Syndroms
Die
Kinder sollten nach dem 3. Lebensmonat behandelt werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit
dafür, dass eine Behandlung ausreicht, am größten. Eine frühere
Behandlung ist dann indiziert, wenn das Kind massive Schreistörungen oder
Stillprobleme hat. Das "ideale" Behandlungsalter gibt es nicht.
In
der Praxis von Dr. Biedermann, in der auch Robby Sacher arbeitet, gehört
neben einer ausführlichen Befragung der Eltern auch immer ein Röntgenbild
der Halswirbelsäule zur Erstanamnese. Dieses Röntgenbild vor einer Behandlung
ist obligatorisch, da anders keine Deformationen der Wirbel festgestellt werden
können. Untersucht werden neben der Halswirbelsäule auch der Beckenstand.
In der Praxis von Dr. Biedermann werden HIO-Technik, Atlastherapie und andere
manualtherapeutische Methoden angewendet.
Ab
dem 3. Lebensmonat muss das Kind beim Kippen zur Seite eine Vertikalisierung des
Kopfes zeigen. Dieses Bewegungsmuster ist beim KISS-Syndrom Typ I oft nur einseitig
vorhanden. Beim KISS-Syndrom Typ II kann es sowohl beidseitig da sein als auch
ganz fehlen.
Manchmal
deuten die Symptome des Kindes direkt auf ein KISS-Syndrom hin. In anderen Fällen
steht eine Schlaf- oder Gedeihstörung im Vordergrund, die durch die Funktionsstörung
der oberen Kopfgelenk verursacht wird.
Nach
einer Behandlung sollte das Kind 2-3 Wochen Behandlungspause und Pause von krankengymnastischen
und ähnlichen Übungen haben. In dieser Zeit kann das Kind sich stabilisieren.
Manchmal kommt es auch zu einer Erstverschlimmerung. Auch bei Infekten oder anderen
Anstrengungen kann es zu einer erneuten Verschlimmerung der Symptome kommen.
In
der Praxis von Dr. Biedermann wird nach einem minimalistischen Konzept gearbeitet,
d.h. es wird so wenig wie nötig an der oberen Halswirbelsäule gearbeitet.
Bei der von ihnen angewandten Technik reichen im allgemeinen 1 bis 2 Behandlungen
aus. Bei der Atlastherapie muss 3 bis 4 Mal und öfter behandelt werden. Nach
Robby Sachers Erfahrungen ist die Atlastherapie weniger effektiv als die von im
angewandte Technik.
Gefährlich
ist diese Technik nicht. In den letzten Jahrzehnten wurden in der Praxis von Dr.
Biedermann etwa 10000 Kinder behandelt. Bei keinem kam es durch die Behandlung
zu Gehirnblutungen. Diese Blutungen können auftreten, wenn Gefäßanomalien
vorhanden sind und die Halswirbelsäule verdreht wird. Dies passiert bei der
vom Team von Dr. Biedermann angewandten Technik nicht; es wird lediglich ein kleiner
Impuls auf die Wirbel gegeben.
Wenn
sich die Symptomatik nach 3 Behandlungen nicht verbessert hat, sollte auf jeden
Fall eine Differentialdiagnostik erfolgen. Mögliche Krankheitsbilder im Hintergrund
können eine Cerebralparese, MCD (minimale cerebrale Dysfunktion) und anderes
sein.
Robby
Sacher schätzt, dass 10% aller Kinder ein KISS-Syndrom haben. Eine Studie
zur Häufigkeit ist ihm nicht bekannt.
Was
hat die Wirbelsäule mit Blähungen zu tun?
In
einem Versuch in der UDSSR wurde bei Hunden die Halswirbelsäule gereizt.
Die Hunde bekamen daraufhin Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt.
Der
Magen-Darm-Trakt entwickelt sich im embryonalen Stadium aus der Halswirbelsäule.
Die Verbindung zwischen beiden Geweben scheint auch nach der Geburt fortzubestehen.
2.
Die Problematik im Kindes- und Jugendalter
Die folgenden Ausführungen
beziehen sich auf den Zeitraum nach der Vertikalisierung des Kindes, d.h. nach
dem Laufen lernen.
Aus
dem zuerst bestehenden KISS-Syndrom wird dann ein KIDD-Syndrom. KIDD ist die Abkürzung
für Kopfgelenks-Induzierte Dysgnosie und Dyspraxie. Dysgnosie bedeutet Wahrnehmungsstörung
und Dyspraxie Ungeschicklichkeit.
Die
Wirbelsäule ist nicht nur Haltungsapparat, sondern auch Wahrnehmungssystem!
Die
Entwicklung der Wirbelsäule
In
der Urzeit war bei Fischen und Amphibien die Kopfstellung gleich der Körperstellung.
Die Wirbelsäule war wenig oder gar nicht flexibel. Beim Verlassen des Wassers
änderte sich die Situation. Jetzt war die Kopfstellung nicht mehr unbedingt
gleich der Körperstellung. Dadurch ergab sich für die Kopfgelenke eine
neue Funktion: Sie übermittelten Informationen von der Lage des Körpers
an das Gehirn und das Gehirn gleicht die aktuellen Informationen mit den bereits
vorhandenen ab. Deshalb gibt es sehr viele Rezeptoren an der Halswirbelsäule.
Wenn
in diesem Bereich eine Störung vorhanden ist, sind oft Fähigkeiten wie
Schreiben, Lesen, Malen und / oder die Motorik eingeschränkt. Sehr interessant
sind in diesem Zusammenhang die Vorher/Nachher Zeichnungen: Die Kinder werden
vor und nach der Manualtherapie gebeten, jeweils ein Haus-Baum-Mensch-Bild zu
malen. Die Unterschiede sind teilweise enorm.
KIDD:
Klinische Dimension
Teilleistungsstörungen
Kopfschmerzen [Anmerkung BB: und "grundlose" Bauchschmerzen]
Haltungsstörungen
Motorische Auffälligkeiten
Sprachentwicklungsverzögerung,
vor allem bei der s, sch und k Lautbildung
Häufig entwickeln sich durch
einen fehlenden Mundschluss vergrößerte Rachenmandeln, dadurch vermehrte
Infektionen und verlagerte Nasenatmung
Im
Deutschen Ärzteblatt wurde im Jahr 2001 eine Studie veröffentlicht,
nach der 25% aller Schüler in Baden-Württemberg eine Teilleistungsstörung
haben. Untersucht wurden in dieser Studie 5600 Kinder.
KIDD:
Teilleistungsstörungen
Oft
werden diese Teilleistungsstörungen als MBD oder MCD (minimale cerebrale
Dysfunktion) bezeichnet. Wichtig bei diesen Teilleistungsstörungen ist, dass
es keine neurologische Grunderkrankung gibt und dass kein Mangel an Intelligenz
vorliegt. Die Förderung der Kinder mit Teilleistungsstörungen muss ausreichend
sein.
KISS
II: Spätere Folgen
Bei
KISS II Kindern wird oft ein schlaffer Muskeltonus am ganzen Körper beobachtet.
Dadurch haben die Kinder häufig einen offenen Mund, einen Hohl-Rund-Rücken,
Senk- oder Plattfüße sowie so genannte Engelsflügel, d.h. die
Schulterblätter stehen nach hinten ab.
Nach
der Behandlung der Wirbelsäule ergeben sich in vielen Fällen bessere
Impulse für den Muskeltonus.
Genauso
wenig, wie eine schlaffe Brust durch einen straffen BH gestrafft werden kann,
kann ein Senk- oder Plattfuß durch Einlagen verbessert werden. Die Fußproblematik
ist ein muskuläres Problem; die Einlage arbeitet am Symptom und nicht an
der Ursache. Besser ist es, das Kind häufig barfuß laufen zu lassen.
Propriozeptive
Einlagen oder Hilton-Orthesen, mit deren Hilfe muskeltonisierende Punkte stimuliert
werden sollen, sind prinzipiell sinnvoll, sollten allerdings nicht ständig
getragen werden. Indiziert sind sie beim neurologischen oder rheumatischen Fuß,
der aber in der Kindheit sehr selten auftritt.
Daneben
kann der Muskeltonus durch Sport gestrafft werden. Geeignete Sportarten sind Ballett,
Turnen, Reiten und alle anderen Sportarten, bei denen das Gleichgewichtssystem
trainiert wird. Bei kleinen Kindern kann das Gleichgewichtssystem durch Tragen
auf dem Rücken stimuliert werden.
Haltungsstörungen:
Therapie bei Jugendlichen
Wirbelsäule
behandeln (Manualtherapie).
Wenn der Jugendliche schief gewachsen ist (z.B.
Beinlängendifferenz), sind unter Umständen Einlagen sinnvoll.
Die
muskuläre Behandlung der abgeschwächten und / oder verkürzten Muskeln
sollte durch Sportarten wie beispielsweise Judo, Taekwondo, Rad fahren oder Schwimmen
erfolgen.
Unbedingt sollte eine Vorstellung beim Kieferorthopäden erfolgen,
da KISS-Kinder oft Kreuzbisse oder Fehlbisse haben. Bei KISS II ist dies sehr
häufig wegen der Hypotonie des Kau-/Kieferbereichs.
Ein Korsett sollte
- wenn überhaupt - später angepasst werden.
Motorische Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Vermehrtes
Stolpern, Probleme beim Treppen steigen
Schwierigkeiten beim Dreirad, Roller
und / oder Fahrrad fahren
(Einseitige) Schwierigkeiten beim Einbeinstand,
bei Kindern, die älter als 5 Jahre sind
Kinder die älter als 4 Jahre
sind, sollten auf einem Bein mindestens 3 Mal springen können.
"Hampelmann"
nicht oder nur eingeschränkt möglich
Außerordentlich
wichtig ist bei allen Störungen die interdisziplinäre Zusammenarbeit
und die ganzheitliche Diagnostik!
Jungen
sind nach einer Studie in der Praxis von Dr. Biedermann doppelt so häufig
von KISS betroffen wie Mädchen: 36,3% der KISS-Kinder waren Mädchen,
63,7% Jungen.
Rechts-
und Linkshänder waren dabei nicht unbedingt signifikant unterschiedlich;
dieser Bereich ist noch nicht ausreichend untersucht, um gesicherte Schlussfolgerungen
zu ziehen. Die Händigkeit prägt sich ungefähr im zweiten Lebensjahr
aus. Wenn sich keine Bevorzugung entwickelt, sollte die Wirbelsäule untersucht
werden.
In
der Praxis von Dr. Biedermann wird bei Kindern oft die obere Halswirbelsäule
und die Lendenwirbelsäule behandelt. Seltener liegen Störungen in der
Brustwirbelsäule vor.
Wirbelsäule
und Hyperaktivität
Heute
wird bei Hyperaktivität sehr häufig Ritalin verabreicht.
Nach
einer Studie von Professor Hürter (Göttingen) zeigen besonders Schreikinder
Veränderungen im Hirnstoffwechsel.
Bei
einer Funktionsstörung der Wirbelsäule stimmt die weitergeleitete Information
nicht mit der Kopf-Körperstellung überein. Babys entwickeln zwei unteschiedliche
Strategien, um mit dieser Situation fertig zu werden: Entweder zeigen sie eine
vermehrte Unruhe, um weiter Informationen über die Körperstellung im
Raum zu bekommen. Oder sie vermeiden Lageveränderungen und versuchen im späteren
Leben, ihre motorischen Probleme zu verstecken.
Wichtig
ist bei der Hyperaktivität die Frage: Warum zeigt ein Kind dieses Verhalten?
Manchmal
liegt es daran, dass der Fernseher schon morgens angeschaltet wird und das Kind
eher einen ruhigen Tagesanfang mit Frühstück braucht.
Ritalin
wirkt auch bei gesunden Kindern. Die Kinder zeigen unter Ritalingabe bessere kognitive
und motorische Ergebnisse. Ritalin wirkt auf die Psyche.
Wichtig
ist bei Hyperaktivität der Umgang mit dem Verhalten und die Akzeptanz des
Verhaltens.
Warum
sind KIDD-Kinder oft bis zum Schulanfang scheinbar unauffällig?
Kinder
entwickeln schnell und häufig auch gut funktionierende Kompensationsstrategien.
Die zusätzliche Belastung durch die Schule kann dann zu einem Zusammenbruch
dieser Kompensationsstrategien führen; die Kinder zeigen dann Auffälligkeiten.
Kosten
einer manualtherapeutischen Behandlung in der Praxis von Dr. Biedermann
Die
Praxis von Dr. Biedermann ist eine Privat-Praxis, d.h. die Kosten für eine
Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.
Prinzipiell
ist die Behandlung eine Kassenleistung. Es ist für das Team der Praxis von
Dr. Biedermann aber wirtschaftlich einfach nicht möglich, nur 15 bis 20 Kinder
am Tag zu behandeln.
Die
Kosten für die Diagnostik und eine manualtherapeutische Behandlung betragen:
1.
Behandlung: 100-110 Euro
2. Behandlung: 50-60 Euro
Säuglinge müssen
oft nur einmal behandelt werden. Bei älteren Kindern sind in den meisten
Fällen mehrmalige Behandlungen notwendig, allerdings nur sehr selten dauerhafte
Behandlungen in regelmäßigen Abständen.
Die
Craniosacrale Impulsregulation und die Atlastherapie ist nach Meinung von Dr.
Robby Sacher nicht so effektiv wie die in der Praxis von Dr. Biedermann angewandte
Technik. Aber auch hier gilt: Wer heilt, hat Recht.
(Quelle:
Barbara Bredner, Im Bruch 23, 59439 Holzwickede;
Web: http://bredner.de/Sacher.html)
